Wie bekomme ich das Einmachglas auf?

Lieber Dr. Sommer

wenn ich für meine Frau Gläser (Rotkohl, Erbsen und so) in der Küche aufmachen muss ist das immer ein Riesenaufwand. Meine Oma hat früher immer für ihr Eingemachtes eine richtige Zange gehabt, aber das kann es ja nich sein. Kannst du mir nen Tipp geben wie ich demnächst besser da stehe?

Grüße Jens

Moin Jens,

natürlich kann die Physik dir bei deinem Problem helfen! Evakuiere die Luft aus deiner Küche und schon wird es mit den Einmachgläsern deutlich einfacher, denn der Luftdruck vermiest dir zumeist die Bilanz! Bevor wir weiter ans Eingemachte gehen (schönes Wortspiel) aber zunächst mal ein Experiment, dass deinen Gegenspieler deutlich macht. Im Zweifel kannst du deine Frau demnächst wenigstens damit beeindrucken. Wir brauchen eine leere Ketchupflasche oder Milchflasche, einen Tischtennisball und Wasser.

Fülle die Flasche zur Hälfte mit Wasser. Lege den Tischtennisball auf die Flaschenöffnung. Halte den Ball fest und drehe die Flasche vorsichtig auf den Kopf. TATA – Der Ball sitzt auf oder vielmehr unter der Flaschenöffnung!

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Schauen wir genau hin: Ein wenig Wasser ist beim Drehen aus der Flasche getropft! Hier ist mit ein wenig Gehirnschmalz die Lösung zu finden. Ein Effekt ist die Klebefähigkeit (Oberflächenspannung) des Wassers, aber hier spielt noch ein weiterer Effekt mit. In der Flasche ist neben Wasser auch Luft. Beim Herauslaufen des Wassers ist die Luft dort dünner geworden, weil der Raum größer geworden ist.

Die Luft in der Flasche ist also dünner, sie hat einen geringeren Druck. Erst wenn wir den Tischtennisball abnehmen merken wir, wie Luft hineinströmt und plötzlich strömt auch das Wasser hinaus. Der höhere Druck der äußeren Luft trägt den Tischtennisball. Der Druck der Luft entspricht etwa einem Kilogramm auf jeden Quadratzentimeter und das in jeder Richtung oder zusammengenommen 10 Tonnen pro Quadratmeter also etwa zehn Kleinwagen ca. 900 Bierkästen, vier Kühe oder zwei Elefanten. Menschen, Tiere und Pflanzen haben sich an diesen Druck gewöhnt, aber beim Tischtennisball sind wir über diese Kraft von unten sehr erstaunt.

So ähnlich ist es nun auch bei dem Glas in der Küche. Beim Einkochen zu Hause oder in der Fabrik werden die Speisen erhitzt ins Glas gegeben. Dadurch wird die Luft über dem Eingemachten auch erwärmt und dehnt sich aus. Wird das Glas mit dem Deckel verschlossen kühlt sich das Eingemachte ab, die verbliebene Luft kühlt auch ab; Unterdruck und der Tischtennisballeffekt von eben zeigt sich. Der äußere Luftdruck steht dir im Weg.

Es gibt nun zwei Tricks ohne Zange und Schweißperlen ans Mittagessen zu gelangen:

  1. Den Glasdeckel und damit die Luft darunter erwärmen, um den Unterdruck zu verringern.
  2. Mit einer Pinnadel ein Loch in den Deckel stechen, um den Unterdruck auszugleichen.

Vielleicht kennt ja jemand anderes noch weitere Tipps. Dann bitte in die Kommentare schreiben. Es gibt noch viele andere spannende Experimente zum Thema Luftdruck. Wenn ihr eins kennt, vielleicht sogar ein Video davon gefunden habt oder einfach eine Frage, dann schreibt mir einen Kommentar. Wenn Ihr selber eine Frage an Dr. Sommer habt dann immer her damit!

Dr. Sommer wünscht nun guten Appetit!

One Response

  1. Ann-Christin

    Lieber Jens,

    um den Druck auszugleichen nehme ich mir immer einen großen Esslöffel und hake ihn unter den Rand des Deckels. Jetzt kann ich mit ein bisschen Hebelwirkung den Deckel ein wenig „lüften“ und das Glas geht auf einmal herrlich einfach aufzudrehen.

    Gruß, Ann-Christin

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