Exkursion auf den Bauernhof

NaWi Unterricht – Forscherfragen, Portfolios und Tiere

Für eine IQSH-SINUS Fortbildung habe ich den folgenden Beitrag erstellt. Er zeigt aber auch allen anderen Interessierten, wie der naturwissenschaftliche Unterricht im Fach „NaWi“ im Lande Schleswig-Holstein am Beispiel des Themas „Tiere in unserer Umwelt“ in der Klassenstufe 5/6 ablaufen kann.

Im Laufe des Artikels finden sich Aufgaben für die teilnehmenden Lehrkräfte, die in der Summe eine Unterrichtseinheit ergeben, die mit dieser Vorlage geplant werden werden kann.

Im Lehrplan des Faches wird folgende Herangehensweise für den NaWi Unterricht empfohlen:

Zur unterrichtlichen Erschließung der  Themen wird angeregt, zum jeweiligen Thema mit den Schülerinnen und Schülern
Fragen zu entwickeln, die sich aus dem Entdecken, Beobachten und Beschreiben von Phänomenen ergeben und die dann
experimentell oder durch Erkunden zu bearbeiten sind. Dabei werden die Fragen und deren Bearbeitung von Klassenstufe
zu Klassenstufe zunehmend komplexer.  Analyse, Deutung und Auswertung der  Phänomene bestimmen die weitere Arbeit
an den Themen.

In einem Verlauf lässt sich diese Vorgehensweise so darstellen:

Lehrplan SH -  Schritte zur unterrichtlichen Erschließung
Lehrplan SH – Schritte zur unterrichtlichen Erschließung

0. Die Unterrichtsphasen als Forscheruhr

Besser lassen sich diese einzelnen Phasen allerdings in Form einer Uhr darstellen. Solch eine Uhr im Fachraum zeigt den Schülern transparent, welche Stunde gerade geschlagen hat. Ein Entwurfsbeispiel gibt Karl-Martin Ricker.

KM. Ricker - Entwurf einer Forscheruhr, SINUS Schleswig Holstein
KM. Ricker – Entwurf einer Forscheruhr, SINUS Schleswig Holstein

Doch, wie kann solch ein Unterricht nun ganz konkret aussehen? Der Unterricht mit der Forscheruhr kann sich auf eine Stunde beziehen oder über mehrere Stunden erstrecken. Die Anordnung in einer Uhr suggeriert, dass alle Phasen immer und immer in dieser Reihenfolge, wie eine Uhr abgelaufen werden sollten. Dies kann aber nicht immer der Fall sein!

Folgt man jedoch dem gesamten Ablauf ähnelt der Unterricht stark der Portfolioarbeit:

  • Forscherfrage entwickeln
  • Material eigenständig sammeln und erweitern
  • Austausch zwischen den Gruppen wahrnehmen
  • Input von anderen Gruppen und Lehrkraft nutzen
  • Output an andere geben
  • Abschlussbericht und Präsentation verfassen
  • Rückmeldungen zur eigenen Entwicklung erhalten

Portfolioarbeit bedeutet vor allem Eigenständigkeit und internen Austausch der zur Weiterentwicklung der eigenen Werke und letztlich der Beantwortung der Forscherfrage dient. Gehen wir die einzelnen Punkte an Hand der Forscheruhr nacheinander durch. Im Blick dabei immer die Lehrplaninhalte:

Lehrplaninhalt SH - Ich und die Tiere

Lehrplaninhalt SH – Tiere in unserer Umwelt

I. Der Einstieg in das Thema

Mit der Bezeichnung Einstieg ist nicht der Unterrichtseinstieg in eine einzelne Unterrichtsstunde sondern in die gesamte Einheit gemeint.

Wie kommen wir ins Thema rein und von dort aus sinnvoll weiter?

Der Einstieg sollte in diesem Fall einen Überblick über das Themenfeld geben, Motivation und Anlass zur Auseinandersetzung mit der Einheit bieten, Probleme aufwerfen und zu Fragen anregen. Der Einstieg kann auch eine Klammer öffnen, die am Ende der Einheit durch die Schüler selber wieder geschlossen wird. Der Einstieg sollte bestenfalls etwas Besonderes im Unterrichtsgeschehen sein von dem ausgehend die weitere Arbeit größere Bedeutung findet. Wichtig ist, dass der Einstieg zu zahlreichen Forschungsfragen führt.

Beispiele für Unterrichtseinstiege
Beispiele für Unterrichtseinstiege

Ein motivierender Einstieg kann die Ausgabe eines Zieles sein. Ziele und Gesamtprodukte können die eigene Forschungsfrage eingrenzen und bei der Motivation helfen:

  • Wir planen eine Haustierberatung für unsere Nachbarklasse / unsere Eltern / in den großen Pausen.
  •  Wir schreiben und gestalten einen Haustier-Ratgeber (im Internet).
  •  Wir planen und dokumentieren eine Bauernhof-Erkundung
  •  Wir planen einen Besuch im Zoo / Tierpark und führen eine Tierpark-Bewertung durch.
  •  Wir wollen ein oder mehrere Tiere in unserer Klasse halten.
  •  Wir wollen einen Schulzoo oder eine Schulhundestaffel einrichten.
  •  Wir wollen herausfinden, wie Nutztiere gehalten werden.
  • Wir wollen eine Ausstellung im Schulflur erstellen

Aufgabe 001: Entwickele mit Hilfe der Übersicht und des Lehrplanes einen Einstieg in das Thema „Tiere in unserer Umwelt“. Schreibe ebenfalls Ziele auf, die Forschungsfragen aufwerfen.

Beispiel: Exkursion

Das Thema „Tiere in unserer Umwelt“ bietet sich geradezu an ein paar von den Tieren unserer Umwelt kennen zu lernen. Die Schüler bringen gerne ihre Haustiere mit aber noch eindrucksvoller und vor allem motivierender für die spätere Auseinandersetzung im Unterricht ist ein anderer Lernort an dem es möglichst viele Tiere zu sehen gibt. Das kann ein Zoo, ein Wildpark oder ein Freilichtmuseum sein.  Meist bieten die Lernorte Führungen und zusätzliche Materialien. Noch einfacher und zumeist kostengünstiger ist aber der nächste Bauernhof.

Exkursion auf den Bauernhof
Exkursion auf den Bauernhof

Um auf die Themengebiete der Einheit hinzuführen können je nach Situation auch Arbeitsblätter oder eine Rallye genutzt werden.  Weitere Materialien für den Lernort Bauernhof gibt es hier oder hier und Weiteres im Netz.

 

II. Die Suche nach der Forscherfrage und die Hypothesen

Nach dem Einstieg in das Thema werden gemeinsam Forscherfragen entwickelt. Bestenfalls hat die Exkursion, Diskussion, o.ä. zahlreiche Fragen aufgeworfen, die den Schülern unter den Nägeln brennen. Damit die Fragen nicht zu groß oder zu klein, zu nah oder zu fern formuliert werden kann der Hinweis auf mögliche Themenbereiche (des Lehrplans) sinnvoll sein. Im weiteren Zusammenhang können auch Hypothesen aufgestellt werden, was ein höheres Abstraktionsvermögen benötigt. Bei Fragestellungen, die eigenständige Tests und Experimente ermöglichen sollten Hypothesen ein Bestandteil sein.

Aufgabe 002: Entwickele drei Forscherfragen, die dir die Erarbeitung eines Teilbereiches des Themas ermöglichen. Achte dabei besonders auf die Größe der Frage! Entwickele mehrere passende Hypothesen, die Teile der Frage (wissenschaftlich) beantworten können. 

Beispiel: Mind Map als Strukturwerkzeug

Mit Hilfe einer Mind-Map können die Forscherfragen gesammelt und zu Gruppen zugeordnet werden.

Mind Map mit Forscherfragen
Mind Map mit Forscherfragen

 

III. Die Planung der eigenen Untersuchung

Die Forscherfrage ist gefunden und nun geht es los mit dem Forschen….aber wie genau?

  • Erläuterungen zur Einheit/Ziel der Einheit
  • Methodenlehre
  • Erste eigene Recherche
  • Strukturierung z.B. in Mind Map
  • Zielvereinbarungen in Pflichtinhalte und freiwillige Inhalte
  • Nachsteuern mit Aufgabenblättern/Medien

Zunächst sollten Hinweise gegeben werden, was von den Schülern im Laufe der Einheit erwartet wird. Das Thema Portfolio kann erläutert werden und ggf. weitere Methoden eingeführt werden, die für die Beantwortung der Forscherfrage sinnvoll sind. (z.B. Teilfragen, Mind-Maps, Plakatgestaltung, Präsentation, Experimente, Peer-Gespräche, Redaktionssitzungen, Expertenrunden,…)

Wichtig ist dann die erste eigene Recherche mit Büchern, Infomaterial und dem Internet. Auf Basis dieser ersten Ideen kann dann ein Plan mit Pflichtaufgaben und Extraaufgaben erstellt werden und weitere Teilfragen entwickelt werden, deren Beantwortung zur großen Forscherfrage beitragen. Meist enstehen sehr kreative Ideen und schnell auch eine Struktur. Für die Fälle von zu hoher oder zu geringer Motivation kann ein Plan mit bestimmten vorgegeben Teilschritten und Aufgaben sinnvoll sein. In jedem Fall ist es aus Sicht der Lehrkraft entlastend, wenn bestimmte wichtige Experimente, Pflichtthemen und Projektmöglichkeiten im Blickfeld sind.

Aufgabe 003: Recherchiere in Internet und Büchern. Finde zu einer der Forschungsfragen mögliche Pflichtthemen und Zusatzthemen, drei passende Teilfragen, sowie Versuche und Projekte, die im Rahmen der Einheit genutzt werden können. 

Recherche im Internet
Erste Recherche im Internet

IV. Forschung

In der Forschungsphase erarbeiten sich die Schüler wichtige Inhalte zur Beantwortung ihrer Forschungsfrage. Damit die Forschung auch ihrem Namen gerecht wird sollte eine wirkliche Forschungstätigkeit, also die Bestätigung von Hypothesen an Hand von Experimenten stehen.

Aufgabe 004: Entwickele drei Beispiele für Experimente/Umfragen mit denen Teile der Forschungsfrage beantwortet werden können. 

Beispiel: Portfolioarbeit 

Zur Strukturierung der Portfolioarbeit haben die Schüler die Möglichkeit das Internet, eine Bücherkiste, eigene Materialien, das eigene Smartphone oder den eigenen Laptop zu nutzen. Ein Leitfaden sind (freiwillige) Aufgabenblätter, die den Themenbereich in seinen Pflichtinhalten darstellen.

Gruppenarbeit mit Buch und Computer
Gruppenarbeit mit Buch und Computer
Recherche in Büchern
Recherche in Büchern

V. Dokumentation und Präsentation

Die Dokumentation kann durch die Portfoliomappe geschehen. In Form eines Abschlussberichtes oder Abschlussbriefes über die eigenen Ergebnisse wird die Forscherfrage beantwortet. Weiter können Präsentationen, Plakate oder Internetseiten und Handouts zur Ergebnisdarstellung genutzt werden.

Digitale Präsentation
Digitale Präsentation

VI. Bewertung und Feedback

Am Ende der Einheit steht die Bewertung der Ergebnisse. Eine erste Rückmeldung kann durch Schüler, Lehrer oder sogar Eltern erfolgen. Eine Bewertung benötigt Kriterien, die zur Bewertung herangezogen werden.

Aufgabe 005: Entwickele einen 5er skallierten (trifft ganz zu – trifft gar nicht zu) Bewertungsbogen mit 6 Bewertungspunkten, der von Lehrern, Schülern und Eltern genutzt werden kann.  Bestimme ob der Bogen das Portfolio oder die Präsentation bewerten soll.

Lehrplan NaWi SH- Selbstkompetenz und Sozialkompetenz
Lehrplan NaWi SH- Selbstkompetenz und Sozialkompetenz
Lehrplan SH - Sachkompetenz und Methodenkompetenz
Lehrplan SH – Sachkompetenz und Methodenkompetenz

One Response

  1. karl-martin.ricker@iqsh.de

    Hallo Sven,

    darüber habe ich mich gefreut!

    Liebe Grüße

    Karl-Martin

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