P_20131117_103819

Mikroskop für IPhone, Tablets und Smartphone selber bauen für 10 Euro!

Bei YPS gabs mal eine Standlupe oder ein „six in one“ mit Teleskop, Mikroskop, Tischventilator, u.ä. (kann sein dass ich da auch was verwechsel). Gäb es YPS heute für Kinder bräuchten die sicher ein Digitalmikroskop fürs eigene IPAD oder IPhone. Gibt`s nicht? Gibt´s schon!

Vor ein paar Wochen hab ich im Internet bei instructables.com eine Anleitung gefunden, mit der man mit wenig Geld und Aufwand aus seinem Smarphone, Tablet, IPAD oder IPhone ein leistungsstarkes Mikroskop machen kann. 

Erst einmal ein Dank an den Erfinder Yoshinok und um es vorweg zu nehmen – ja es funktioniert, ist aber teurer als die versprochenen 10 Dollar, kostet 1,5 Stunden Zeit und Nerven – ist aber total klasse!

Für den hippen Hobby-Biologen sicher spaßig oder einfach nur so zum Angeben, sogar pädagogisch sinnvoll für Schulen, die teure Anschaffungen scheuen. Nachdem ich nun also in der Materie stecke (im wahrsten Wortsinne) hab ich mich an eine Übersetzung der Anleitung gemacht und kann dabei noch ein wenig Senf hinzugeben. Hier also das Smart-Mikroskop 2.1:

IMG_1819 P_20131117_093849

Bevor wir anfangen könnt ihr hier sehen, wo der Weg hinführt. Im Grunde ist der Bau recht einfach.

http://www.youtube.com/watch?v=KpMTkr_aiYU

 

0. Schritt – das Material

Zunächst einmal braucht man für das eigene Multimediamikroskop ein Holzbrett (17x17x2), zwei Stücke Plexiglas (17x17x0,3) (17x5x0,3), drei 6 x 100 Schlossschrauben und passende neun Muttern und 6,6×22 Scheiben, einen Laserpointer, mehrere Bohrer, einen Akkuschrauber, mehrere Zangen und Seitenschneider, einen Bleistift, einen Zollstock, eine helle LED-Lampe, eine Haarnadel, Sandpapier, ein Smartphone und…

Klebeband!

IMG_1791 IMG_1801 IMG_1790

 

Der Preis für alle Materialien in Bau- und Elektromarkt liegt eher bei 20 Euro, als bei 10 Dollar, vor allem weil Plexiglasscheiben im Baumarkt nur in größeren Stücken verkauft werden und Laserpointer und Lampe zusammen schon fast 10 Euro kosten. Wer allerdings die Mühe auf sich nimmt und hier und da und im Netz einkauft hält sicher auch die 10 Euro Linie.

1. Schritt – Die Linse aus dem Laserpointer

Als erstes nehmen wir den Laserpointer auseinander. Mit zwei Zangen und einer Drehung ist Frontseite des Pointer abgetrennt und die Diode auch gleich kaputt. (im lokalen Mediamarkt gab es nur das Kombiprodukt mit integrierter LED-Lampe)

In den tiefen der Fassung liegt nun die Linse des Laserpointers. In der englischsprachigen Anleitung wird die Linse nun einfach herausgedrückt. Da es sich bei meinem Pointer aber anscheinend um ein deutsches Markenprodukt handelt ist die Linse fest im Metall fixiert. Mit Hilfe eines Seitenschneiders, mehrerer Zangen, viel Schweiß und Tränen lässt sich die Linse aber aus dem Metallkopf herauslösen.

IMG_1808 IMG_1806

 

Um herauszufinden, wie wir die Linse gleich verbauen können spannen wir sie in eine Haarnadel ein. Diese kleben wir unter unser Smartphone (auf die Kameraöffnung natürlich). Zeigt sich jetzt ein vergrößertes Bild dann ist sie richtig herum! Das Bild ganz oben im Beitrag wurde so aufgenommen. Als Testobjekt bieten sich Buchstaben aus einer Zeitung oder einem Buch an.

2. Schritt – Die Mikroskopapperatur wird vorbereitet

Jetzt gehts an den Aufbau des Mikroskops. Bestenfalls haben wir uns die Teile schon im Baumarkt zurecht sägen lassen, wenn nicht dann sollten wir das jetzt nach obigen Maßen selber tun. Danach bohren wir drei Löcher in die Holzplatte (link oben, rechts oben, unten mitte) Die Löcher sollten am Rand aber nicht zu weit außen sein, weil wir deckungsgleich nun die Plexiglasplatten durchbohren. Wir legen dazu einfach die Platte auf das Holz und bohren uns zu den Löchern durch. Bei der kleinen Plexiglasplatte wird natürlich nur zwei Mal gebohrt. Sie wird nachher nur an der Vorderseite eingebaut, jetzt lassen wir die Teile aber erst einmal liegen.

3. Schritt – die Linsenhalterung

Nun kommt der kritischste Teil der Unternehmung. In der Mitte der großen Plexiglasplatte wird zwischen den beiden obereren Bohrungen eine Markierung für die Linse gemacht. Dazu sollten wir das Smartphone auflegen, um den richtigen Platz zu finden. Der Punkt darf auch nicht weiter unten liegen, als die untere Plexiglasplatte lang ist – dann liegt die Optik ja neben der Auflagefläche. Mit Hilfe der Haarnadel können wir die Linse auflegen und so die Größe der Bohrung markieren. Vorsichtig nähern wir uns der Markierungsgröße mit einem etwas kleineren Bohrer, denn wenn das Loch zu groß wird fällt die Linse durch! Nach mehreren Bohrern und leichten Dreh- und Schwenkbewegungen können wir die Linse passgenau einsetzen; tja oder eher nicht. Auch bei mir war das Loch dann plötzlich ein klein wenig zu groß. Also her mit dem Klebeband und möglichst ohne Falten und Fingerabdrücke einfach oben und unten festgeklebt. Eine Lösung mit Sekundenkleber geht bestimmt auch!

IMG_1813 IMG_1824

4. Schritt – Die Mikroskopapperatur wird zusammengebaut

Nun ist es fast geschafft! Die Schrauben ab durch die Bohrungen und mit Muttern und Scheiben sichern. (Wem die Muttern ausgehen, weil der Baumarkt tatsächlich eine zu wenig in der Packung hat – unglaublich – der kann auch Flügelschrauben, o.ä. nehmen) Die untere Plexiglasscheibe wird nur unten mit Muttern gesichert , damit wir diese später zur Justierung verwenden können. Gerade oben auf dem Mikroskop sollten wir darauf achten, dass die Muttern bei der Auflage nicht im Weg liegen. Gerade bei Tablets wird`s sonst eng. So in etwa sollte das Ganze dann nach ca. 1,5 Arbeit aussehen:

IMG_1816 IMG_1814

 

5. Schritt – Ausprobieren

Nun kommt der spaßige Teil…

Erst einmal wird die LED-Lampe unter der Linse in Position gebracht und dann das Smartphone auf der Linse abgelegt. Das geht ganz einfach, wenn man sich mit geöffneter Kamera-App dem Bild nach auf die Linse zubewegt. Nun kann auf die untere Plexiglasablagefläche ein erstes Testobjekt gelegt werden. Alles ganz vorsichtig, weil dieses Mikroskop sehr empfindlich ist. Irgendein Text funktioniert für den Anfang ganz gut. Das verschwommene Bild können wir mit den Stellschrauben vorsichtig nachjustieren.

P_20131117_102310

 

Wer möchte kann mit Hilfe des Kamerazooms noch weiter in den Mikrokosmos vordringen. Ich hab das mal mit einem Geldstück und einer Zwiebel ausprobiert.

P_20131117_105815

 

Zum Größenvergleich liegen die beiden nebeneinander. Ohne Zoom siehts dann so aus:

P_20131117_103143 P_20131117_105558

 

Und mit dem Kamerazoom noch eindrucksvoller:

P_20131117_103841 P_20131117_103819 P_20131117_105616

 

Wer jetzt Lust bekommen hat der baut einfach nach und schickt mir seine Smartphone-Mikroskop-Bilder und Videos! Blätter, Zweige, Zwerghamster und Kaninchen, Haare, Staubmilben und vieles mehr warten noch im Mikrokosmos darauf entdeckt zu werden!

P_20131117_102332 P_20131117_102213

Schreibt mir, wenn ihr Fragen habt oder ein noch besseres Mikroskop oder Teleskop oder vielleicht sogar Gastroskop gebaut habt! Ach ja schneller aber teurer geht`s übrigens hiermit. Also auf in den Mikrokosmos!

 

2 Responses

  1. mike

    Hab das Mikroskop gebaut und noch eine zweite Linse unter die erste geklebt. Die Vergrößerung wird dadurch erhöht und es funktioniert richtig gut!

    Antwort schreiben

Ein Pingback

  1. Mikroskop für IPhone, Tablets und Smartphone selbst bauen für 10 Euro! | blog.jentzen.org

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *