Educasting im Unterricht – Teil 2 – Rezeption und Instruktion

Vergangene Woche gab es den ersten von vier Beiträgen zum Thema Educasting. Heute geht es nach den ersten spärlichen Informationen ans Eingemachte – eine erste Einsatzmöglichkeit im Unterricht. Vorsichtig pirschen wir uns heran und bleiben noch in Deckung. Es wird zunächst nur rezipiert. Freiheitsgrade gering, dennoch sicherlich nützlich. Viel Spaß!

Rezeptiver Einsatz von Educasts im Unterricht

In der Präsentation des Mediums ähnelt es dem klassichen Lehrfilm, der ja im Vergleich zu anderen Unterrichtsformen oft durch seine Passivität und schlechte Differenzierung im Verruf steht. Wird der Lehrfilm nicht nur präsentiert sondern auch methodisch aufgearbeitet, z.B. mit Hilfe eines Grafitz (Notiz und Grafik), Aufgaben, Rätsel und wiederholte Rezeption wird die Aktivität deutlich erhöht und Vorteile von didaktisch durchdachten Erläuterungen, Animationen und Exkursionen kommen stärker zum Tragen.

Das Angebot der Educasts ist im Vergleich zum klassischen Lehrfilm aber noch deutlich breiter. Durch den größeren öffentlichen Markt an (gerade auch semiprofessionellen) Anbietern bieten Educasts oftmals einen direkteren, alltagsnäheren Zugang zu den Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler.

Im Unterschied zum Lehrfilm ist der Educasts als veröffentlichtes Produkt im Internet der gesamten Schülerschaft zugänglich, er steht somit in der Arbeit mit Smartphones, Laptops oder Tablets als differenzierendes Medium zur Verfügung und verliert dadurch den beschriebenen Mangel des einfachen Lehrfilms. Jeder Schüler kann den Educast in seinem eigenen Tempo, zu geeigneter Zeit und wiederholt konsumieren – der Schritt zu dieser differenzierten Form im Werkstatt- oder Projektunterricht ist durch die immer stärkere Verbreitung von Smartphones klein geworden. Fragen und Unklarheiten können zeitnah per Kommentar an den Ersteller des Videos gestellt werden.

Für den naturwissenschaftlichen Unterricht bieten sich z.B. die Möglichkeiten Experimente im Video nachzuvollziehen, sollte das Ergebnis aus Lehrerhand mal wieder danebengegangen sein. Über die Möglichkeit das Video beliebig anzuhalten können einzelne Momente einer chemischen Reaktion oder eines physikalischen Ablaufs festgehalten werden. Sorgt man für bekannte Konstanten im Video lassen sich sogar Bewegungen in ihrer Geschwindigkeit oder Beschleunigung messen.

Produktiver Einsatz von Educasts im Unterricht

Dass das Wort „produktiv“ positiv belegt ist zeigt sich auch im Bereich des Educastings. Nachhaltigere und intensivere Auseinandersetzung mit dem Medium und damit verbundene Kompetenzerwerbe zeigen sich erst bei der eigenen Gestaltung eines Educasts. Man unterscheidet dabei didaktisch zwei Ansätze mit unterschiedlichem Freiheitsgrad: das instruierende Lehren und das konstruktivistische Lernen.

Instruierendes Lehren

Im instruierenden Ansatz wird ein Educasts durch die Lehrperson bzw. referierende Person erstellt. Dies kann im Vorwege des Unterrichts oder während des Unterrichts geschehen. Wie viele schöne Tafelbilder oder Herleitungen haben Lehrer auf der ganzen Welt schon von den Tafeln wischen müssen? Mit Educasts können diese Inhalte erhalten bleiben und bieten damit eine ökonomisch nicht unerhebliche Erleichterung für die Unterrichtsplanung, doch erst einmal genauer zur Erstellung des Educasts. Ansätze können Videoaufnahmen sein, die die Lehrkraft bei der Herleitung an der Tafel zeigen, Demonstrationsexperimente, kleine Lehrfilme oder einfache Aufnahmen einer Präsentation. Die einfachste Form der Gestaltung eines solchen Educasts ist der Screencast.

Screencasts als Educast

Screencasts sind Aufnahmen des eigenen Computerbildschirms mit Hilfe einer Aufnahmesoftware. Die Software nimmt neben allen Vorgängen auf dem Bildschirm auch den Ton über ein Mikrofon auf. So kann eine im Vorwege erstellte Präsentation gehalten und aufgenommen werden. Software für die Aufnahme von Screencasts wird inzwischen als Browseraddon oder in Form von kostenfreier Onlinesoftware angeboten. Statt vor dem Unterricht können auch Sequenzen am Smartboard aus dem Unterricht aufgenommen werden. So ist es möglich, dass neben dem Lehrer auch Schülerinnen und Schüler, die ein Referat am Smartboard halten einen Mitschnitt ihrer Präsentation aufnehmen. Sinnvoll wird dies, wenn die Präsentation danach der Klasse zu Verfügung gestellt wird. In eigenem Tempo kann sie so von jedem Schüler noch einmal nachvollzogen werden. Mit der Aufzeichnung und Veröffentlichung eines solchen Screencasts ist auch der Schritt zum konstruktivistischen Lernen gemacht um den es in dem nächsten Teil der  Reihe geht. Ihr habt eigene Ideen, Links, Tipp, Anmerkungen oder Fragen zum Ansatz? Dann schreibt einen Kommentar dazu in den Blog!

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